„Eigenlob stinkt“ Frauen bei aktiver Arbeitsmarktpolitik weiter benachteiligt

Zur Meldung des Arbeitsministeriums, dass der hohe Frauenanteil hessischen Arbeitsmarktprogrammen die vorbildliche Umsetzung des Gender Mainstreaming in Hessen belege, sagte die Weiterstädter Landtagsabgeordnete Heike Hofmann (SPD): „Zur Verbesserung der beruflichen Situation von Frauen und zur Beseitigung bestehender Nachteile auf dem Ausbildungs- und Arbeitsmarkt reicht es nicht, sich auf die Schulter zu klopfen und sich aufgestockter Mittel zu rühmen, Frauen werden in Hessen immer noch weniger gefördert als Männer.“ Es könne überhaupt keine Rede sein von einer vorbildlichen Umsetzung des Gender Mainstreaming. Zum einen seien nur rund neun Prozent aller arbeitsuchenden Frauen überhaupt in Maßnahmen, während der Anteil bei den Männern bei 11,3 Prozent liege. Zum anderen würden Frauen überwiegend an Qualifizierungsmaßnahmen teilnehmen, die in geringerem Maße zur Eingliederung in den Arbeitsmarkt führten.
Nach Hofmanns Auffassung, wäre es erforderlich, dass der Frauenanteil bei den Maßnahmen zur Förderung von abhängiger und oder selbstständiger Beschäftigung gesteigert würde. Instrumente, die auf eine aktive Eingliederung in den ersten Arbeitsmarkt abzielen, wie Existensgründungszuschüsse, Lohnkostenzuschüsse und betriebliche Trainingsmaßnahmen würden die Chancen von Frauen auf berufliche Integration erheblich erhöhen.
„Auch bei Erwerbstätigkeit insgesamt sind Frauen in Hessen weiter unterrepräsentiert“, betonte Hofmann. „Mit einem Anteil von 45,3 Prozent erwerbstätiger Frauen liegt Hessen unter dem Bundesdurchschnitt.“ Hinzu komme die nach wie vor ungleiche Erwerbsstruktur. Frauen stellten nur rund 36 Prozent aller Vollzeitbeschäftigten, aber knapp 83 Prozent der Teilzeitbeschäftigten.
Wenn die Landesregierung das Prinzip des Gender Mainstreaming vorbildlich umsetzen wolle, müsse sie mehr dazu beitragen, dass sich Frauen häufiger für eine Vollzeitbeschäftigung entscheiden können. „Leider klafft bei der besseren Vereinbarkeit von Familie und Beruf gerade in Hessen eine große Lücke zwischen Anspruch und Wirklichkeit“, so Hofmann abschließend.