Ablehnung von Lehramtsanwärtern trotz drohendem Lehrermangel unverständlich und kontraproduktiv

Als ?völlig unverständlich? hat die Weiterstädter Landtagsabgeordnete Heike Hofmann (SPD) die Situation bei der Einstellung von Lehramtsanwärtern in Hessen bezeichnet.

?Es zeichnet sich ab, dass in Hessen fast 1300 Lehramtsanwärter nicht ins Referendariat übernommen werden können. Nach den der SPD-Landtagsfraktion vorliegenden Informationen wurden von 550 Bewerberinnen und Bewerber für den Vorbereitungsdienst für das Lehramt an Grundschulen 300 (rund 55%) und von 1.274 für das Lehramt an Gymnasien 763 (rund 60%) abgelehnt?, berichtet Hofmann. Lediglich bei den Haupt- und Real-, den Förder- und den Beruflichen Schulen sehe es etwas freundlicher aus.

Betroffen seien dabei durchaus auch Lehramtsanwärter mit so genannten Mangelfächern wie Mathematik. Mit der gerade erst verabschiedeten Novelle des Lehrerbildungsgesetzes wurde die Verwendung so genannter ?Seiteneinsteiger? verankert, um gerade in den Mangelfächern für genügend Fachpersonal zu sorgen.

Angesichts des sich immer deutlicher abzeichnenden Lehrermangels und angesichts der Tatsache, dass das Land Hessen Abwerbekampagnen in anderen Bundesländern durchgeführt habe, erscheine diese jetzige Einstellungspraxis gegenüber den um ihre Perspektive bangenden Nachwuchslehrern geradezu zynisch, so die Abgeordnete.

?Diese Entwicklung wirkt im Hinblick auf die dringend erforderliche Kontinuität der Ausbildung von qualifiziertem pädagogischem Nachwuchs wie Gift. Wenn Lehramtsstudierende nicht einmal in einer von Lehrerknappheit beherrschten Situation damit rechnen können, ihre Ausbildung in angemessener Frist beenden zu können, dann wird der Beruf dadurch sicher nicht attraktiver. Mit ihrer widersprüchlichen Politik bei der Lehrerausbildung erweist die Landesregierung nicht nur den Nachwuchskräften selbst, sondern dem gesamten Schulwesen in Hessen einen Bärendienst?, so Hofmann abschließend.